|





| |
Herzlich willkommen auf der Homepage unseres Projekts
Traumatherapie.org!
Diese Website widmet sich der Information zum Thema Psychotraumatologie und
der Therapie von Dissoziationen und Posttraumatischen Belastungsstörungen.
Wenn Sie sich über die letzten Neuigkeiten und Änderungen informieren wollen,
so klicken Sie auf Neuigkeiten.
HIER finden Sie Informationen zum Umgang mit
Kindern und Jugendlichen, die unter den Auswirkungen des Seebebens in Asien 2004
leiden.

Posttraumatische
Belastungsstörungen
(PTBS, PTSD):
Psychotraumatische
Störungen „entstehen immer als direkte Folge der akuten schweren Belastung
... Das belastende Ereignis oder die andauernde, unangenehme Situation
sind der primäre und ausschlaggebende Kausalfaktor, und die Störung wäre
ohne seine Einwirkung nicht entstanden” (ICD-10).
Eine ganze Schulklasse muß hilflos zusehen, wie ein Mitschüler den Lehrer
ersticht:
Dreißig Schüler sind wie versteinert, leiden an Schuldgefühlen und
Angstzuständen.
Bei einem Flugzeugunglück sterben viele Menschen: Die Überlebenden
können die Bilder des Schreckens nicht mehr vergessen.
Ein ICE entgleist bei 220 Stundenkilometern,
dutzende Tote sind bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt: Überlebende,
Angehörige und Helfer sind schwer traumatisiert.
Für Opfer oder Beteiligte an Überfällen, Geiselnahmen, Unfällen oder Vergewaltigungen
ist
die Welt von einer Sekunde auf die nächste nicht mehr in Ordnung.
Die Symptome von PTBS wurden und werden immer noch mißverstanden
oder gar nicht diagnostiziert. Es gibt Schätzungen, daß bis zu 10% der
Bevölkerung (diese Zahl ist aus den USA) einmal im Leben unter PTBS leiden.
Bei manchen verschwinden die Symptome von selber im Verlauf der Zeit, bei
anderen bleiben sie über viele Jahre erhalten. Spätestens dann ist eine
fachmännische Hilfe durch einen Psychologischen Psychotherapeuten oder einen
Psychiater erforderlich.
 |
•Zentrales Gefühl ist die
Hilflosigkeit (nicht: Streß, Angst, Trauer) |
 |
•Selbstvertrauen und
Vertrauen werden erschüttert
|
•Intrusionen:
sich aufdrängende, belastende Traumaerinnerungen in Form von Bildern,
Empfindungen, Flashbacks und Alpträumen: plötzliche und 'lebendige'
Erinnerungen, die 'mich überwältigen'.
•Vermeidung
von Orten, Tätigkeiten, Stichworten, die etwas mit dem Ereignis zu tun
haben:
Vermeidung von Gedanken, Gefühlen, oder Gesprächen, die das
Trauma zum Thema haben
Vermeidung von Tätigkeiten, Orten oder Menschen, die an das
Trauma erinnern
Die Unfähigkeit, sich an wichtige Details der Situation zu
erinnern.
Die Unfähigkeit, Trauer, Verlust oder
Ärger während des traumatisierenden Ereignisses bewirkt, daß das Trauma
auch weiterhin nachwirkt, ohne daß das dem Opfer bewußt wäre. Depression
und sogar Schuldgefühle (weil man z.B. als einziger einen Unfall überlebt
hat) sind oft die Folgen. Aus einer Studie bei Feuerwehrleuten: "Was den
Feuerwehrleuten am meisten zu schaffen macht ist, daß sie sich mit den
Betroffenen identifizieren, sich hilflos oder schuldig fühlen (schuldig,
nicht mehr getan zu haben), ...." [Dissertation von Dipl.-Psych. S. Rösch,
1998]
Numbing (emotionale
Taubheit): Enge emotionale Bindungen mit Familie,
Freunden und Kollegen werden vermieden. Die Gefühle sind allgemein
vermindert, eingeschränkt, allenfalls werden routinemäßige und
'mechanische' Aktivitäten zu Ende geführt.
•Hyperarousal:
Symptome der Übererregung: z.B. Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit,
erhöhte Reizbarkeit, mangelnde Affektintoleranz
Schwierigkeiten einzuschlafen
Irritierbarkeit oder Ausbrüche von Ärger
Konzentrationsschwierigkeiten
Hypervigilanz (erhöhte Aufmerksamkeit)
Erhöhte Schreckreaktion (startle response)
Man lebt so, als ob man immer noch aktuell durch das
traumatisierende Ereignis bedroht würde. Man wird dadurch irritierbar oder
'explosiv', auch wenn man gar nicht provoziert wurde.
Viele Opfer versuchen sich selber zu 'behandeln' , indem sie
ihre Einsamkeit und ihre Panikattacken mit Alkohol oder anderen Drogen
bekämpfen.
Dissoziationen: Das Ereignis und das oder die dazugehörigen Gefühle
werden voneinander gespalten. Dissoziationen ermöglichen als Abwehr-
oder Bewältigungsmechanismus einen Schutz vor ansonsten überwältigenden
Gefühlserfahrungen. Diese Abwehr selber birgt aber die Gefahr von
grundlegenden Veränderungen des Selbst- und Identitätsgefühls, der Störung
der Funktionen des Gedächtnisses und auch der Selbst- und
Umweltwahrnehmung. Durch all dies kann eine konstruktive Bewältigung und
Überwindung des Traumas beeinträchtigt werden. Das Ausmaß von Dissoziation
kann z.B. durch die DES-Skala (Dissociative Experiences Scale von
Bernstein und Putnam) erfaßt werden.
Wie bei praktisch allen psychischen Phänomenen gibt es auch bei der
Dissoziation ein breites Spektrum, das von als 'normal' verstandenen bis
zu pathologischen Dissoziationsphänomenen geht. In Zunahme der Pathologie
finden sich:
normale Dissoziation, dissoziative Amnesie, dissoziative fugue, PTSD,
dissoziative Identitätsstörung und polyfragmentierte dissoziative
Identitätsstörung.
Das Störungsbild der Dissoziation wurde bereits 1889 von Pierre Janet
(1859 - 1947) beschrieben: Dissoziationen ('Desagregation') führen bei den
Patienten zu sog. unbewußten fixen Ideen, die wiederum aufgrund des
überwältigenden, intensiven Charakters des Traumas in den normalen
Erfahrungsrahmen der Person nicht integriert werden können. In der Folge
behindern diese Fixierungen die Fähigkeiten, mit neuen stressenden
Einflüssen adäquat umgehen zu können. Sigmund Freud, der auch bei Janet
gelernt hatte, verwendet den Begriff der Dissoziation in seinen frühen
Schriften als aktiven Verdrängungs- und Abwehrmechanismus. Zu dieser Zeit
nahm Freud auch noch einen starken Einfluß von realen Traumata, z.B.
sexualisierter Gewalt, für die Entstehung von Neurosen an, was er dann
aber zugunsten des Konzeptes von sexualisierten kindlichen Phantasien
aufgab.
Als eine wesentliche Vorbedingung für das Auftreten von dissoziativen
Störungsbildern werden spätestens seit Janet belastende traumatisierende
Ereignisse angesehen. Das Konzept des psychischen Traumas als Verursacher
von pathologischen dissoziativen Phänomenen fand dann in den 70er Jahren
weite Verbreitung, als in der Folge des Vietnamkriegs gehäuft
Kriegsteilnehmer mit psychopathologischen Störungen auftraten. Da es sich
dabei häufig um hochdekorierte Soldaten oder um Freiwillige handelte,
konnte diese nicht mehr, wie nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg z.B.
die sog. "Kriegszitterer" als "Simulanten" oder "Rentenerschleicher"
abqualifiziert werden.
Nicht zuletzt durch die Frauenbewegung wurden auch die seelischen Folgen
von sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern und Frauen ins Bewußtsein der
Öffentlichkeit und der Fachwelt gerückt. Traumaerfahrung kann sich in
verschiedener Form zeigen:
- Bei der primären Dissoziation ist die normale, integrative
Gedächtnisfunktion beeinträchtigt. Es entstehen isolierte
Gedächtnisanteile, die oft mit affektiven, somato-sensorischen oder auch
visuellen Intrusionen einhergehen. Diese Gedächtnisanteile werden dann oft
durch spezifische Auslöser ('Trigger') wieder hervorgerufen und wirken
dann bedrängend.
- Bei sekundärer oder peritraumatischer Dissoziation kommt es zu
Bewußtseinszuständen, die vom Gefühl der Depersonalisation bis hin zum
Gefühl des 'Heraustretens' aus dem eigenen Körper reichen können. Hier
trennt sich dann das erlebende oder handelnde Selbst vom beobachtenden
Selbst. Auch dieser Mechanismus ist ein Schutz gegen die ansonsten
unerträglichen Gefühle in der traumatisierenden Situation.
- Bei tertiärer Dissoziation handelt es sich um eine Reaktionsbildung auf
wiederkehrende Traumatisierungen. Sie führt zur Ausbildung von
verschiedenen Persönlichkeitsfragmenten, die ganz unterschiedliche
komplexe Muster auf affektiver, kognitiver und Verhaltensebene
repräsentieren.
Diese Symptomatik kann
unmittelbar oder auch mit z.T.
jahre- bzw. jahrzehntelanger Verzögerung nach dem traumatischen Ereignis
auftreten!
 |
Apersonale Traumatisierungen
|
sind Traumatisierungen durch z.B.
Unfälle, Naturkatastrophen u.ä. (z.B. Erdbeben)
 |
Personale Traumatisierungen
|
sind Traumatisierungen durch
körperliche und sexualisierte Gewalt (z.B. Vergewaltigung, Überfall). Sie haben meist intensive psychische
Beeinträchtigungen zur Folge.
Folgende Kriterien zur Diagnose einer Posttraumatischen
Belastungsstörung sind derzeit festgelegt:
Kriterium A, Stressor-Kriterium
die Symptomatik muß einem traumatischen Ereignis folgen
Kriterium B, Flashbacks, Alpträume
dem Wiedererleben des Traumas
Kriterium C
dem Vermeiden traumarelevanter Reize
z.B. sich an Teile des Ereignisses nicht erinnern können,
bestimmte Orte oder Situationen meiden
Kriterium D, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme
und den Symptomen eines erhöhten Erregungsniveaus
Kriterium E, Dauer der Störung wenn die Symptomatik länger als einen Monat
andauert
Kriterium F, Beeinträchtigung der Lebensqualität
muß eine wesentliche Einschränkung der Lebensqualität beim
Betroffenen hervorrufen
Akute PTBS = die Symptome
treten bis zu drei Monaten lang auf
Chronische PTBS = die Symptome treten länger als drei Monate auf
Behandlung
 |
Verhaltenstherapie: Hier versucht man die
schmerzhaften und intrusiven Verhaltens- und Denkmuster zu verändern. Dazu
setzt man Entspannungstechniken und Expositionstechniken ein.
|
 |
Psychodynamische Psychotherapie: Hier versucht man
- neben der Vermittlung von Bewältigungsstrategien, Entspannungstechniken
und der Aktivierung von Ressourcen - die persönlichen Werte eines Menschen
zu ergründen und festzustellen, wie Verhalten und Erleben während des
traumatisierenden Erlebnisses diese beeinträchtigt hat.
|
 |
Medikamentöse Therapie: Hier versucht man z.B.
durch den Einsatz von Antidepressiva oder Beruhigungsmitteln die
belastenden Auswirkungen des PTBS zu mindern.
|
Eine typische psychotherapeutische Behandlung gliedert
sich in 3 Phasen:
1. Stabilisierungsphase
In dieser Phase ist es wichtig, eine gute, Sicherheit vermittelnde
therapeutische Beziehung aufzubauen. Den PatientInnen wird dabei geholfen,
ihre innere, zwischenmenschliche und äußere Sicherheit wiederzuerlangen. Sie
lernen, mehr Kontrolle über die Symptomatik und das eigene Verhalten zu
entwickeln. Besonders wichtig ist es oft, den PatientInnen viele Sach-Informationen
über die Ursache ihrer Störung, der folgenden Symptomatik und insbesondere
auch über die Tastsache der Normalität ihrer Reaktion zu geben. Eigenverantwortung und eigene
Fähigkeiten der PatientInnen werden konsequent gefördert. Mit Hilfe von
Imaginationsübungen erlernen die PatientInnen, mit der überflutenden
Symptomatik von Flashbacks, Alpträumen und deren körperlichen
Begleitreaktionen umzugehen.
Die Erfahrung, durch die Imaginationsübungen und Anderes selbst zur
eigenen Heilung beizutragen und damit mehr Eigenverantwortung und
Eigensteuerung zu übernehmen, stärkt das Bewußtsein für die eigene Kraft
und eigene Kompetenz. Mit diesen Methoden machen die PatientInnen
insbesondere Erfahrungen,
die sie aus der Therapiestunde mit nach Hause nehmen und dort weiter für sich
nutzen können.
In Einzelgesprächen werden neben Diagnostik und Therapieplanung die
gemachten Erfahrungen vertieft und besprochen. Falls eine
Symptomatik mit selbstschädigendem Verhalten besteht (z.B. Selbstverletzung,
Suchtmittelkonsum) wird in einer Vertragsarbeit alternatives Verhalten
erarbeitet. Ggf. wird die Behandlung mit Medikamenten unterstützt, so z.
B. bei starken Depressionen, Schlafstörungen oder Unruhezuständen.
Eine Grundregel ist: Über die traumatischen Erfahrungen wird nicht
gesprochen - oder: Es kann über alles, es muß aber über nichts gesprochen
werden. Das Bearbeiten der traumatischen Erlebnisse soll nach guter
Vorbereitung nur im therapeutischen Rahmen stattfinden.
Für einige PatientInnen sind Angebote in Körperwahrnehmung,
Spannungsreduktion und Selbstfürsorge sehr hilfreich. Das Erlernen z.B. der
Progressiven Muskelrelaxation
und des autogenen Trainings, das Erarbeiten eines 'inneren sicheren Ortes' unterstützen ebenfalls die
Selbstberuhigungsfähigkeiten der PatientInnen.
Manchmal müssen in dieser Therapiephase schwierige Lebensumstände geklärt
werden. Dazu bieten sich ggf. Familien- oder Paargespräche sowie eine
sozialarbeiterische Unterstützung an.
Die Dauer dieser Phase ist je nach Zeitpunkt und Art der Traumatisierung
sehr unterschiedlich. Manche PatientInnen fühlen sich nach dem
erfolgreichen Durchlaufen dieser Phase stabilisiert genug, um in ihren
Alltag zurückzukehren. Manche kommen später zu einer gezielten
Traumabearbeitung zurück in die Therapie oder es schließt sich direkt die
zweite Phase der Traumatherapie an.
2. Traumabearbeitungsphase
Die Methoden der Stabilisierungsphase werden während der ganzen Therapie
fortgesetzt. Die Phase der Traumabearbeitung und die Phase der
Stabilisierung können sich im Verlauf der Behandlung immer wieder
abwechseln.
Die Traumabearbeitung erfolgt durch ein strukturiertes, dosiertes und
kontrolliertes Wiedererleben zentraler Aspekte des Traumas. Dadurch wird
der Verarbeitungsprozeß der traumatischen Erlebnisse weiter fortgesetzt,
die Speicherung der Traumata im Gehirn verändert sich, durch Wiedererleben
kommt es zur Integration dieser Erfahrungen in die Gesamtpersönlichkeit.
Anders ausgedrückt, kann man auch sagen, es findet eine Entgiftung mit
nachfolgender veränderter gedanklicher und emotionaler Bewertung statt.
Die Konfrontation mit dem Trauma führen wir mit den Methoden der Screen-
bzw. Bildschirmtechnik oder dem EMDR (Eye
Movement Desensitization and Reprocessing) aus. Wesentlich bei beiden
Techniken ist, daß die Betroffenen keine Retraumatisierung durch einen
erneuten Kontrollverlust erleiden, die Kontrolle des Patienten über den
Prozeß hat Vorrang. Bei der Bildschirmtechnik wird das
traumatische Erlebnis nochmals gezielt und gesteuert kurzfristig erlebt,
so daß eine Synthese aus Wort, Bild, Affekt und Körpersensation erreicht
wird. Die Wirksamkeit der EMDR-Methode versteht z. Zt. man so, daß die
Informationsverarbeitung der traumatischen Ereignisse nachträglich
beschleunigt wird und so zu einer Speicherung des verarbeiteten Traumas als Erinnerung
führt. Dabei kommt es auch zur Veränderung der Bewertung der Situation und
der eigenen Rolle in dem Geschehen. Dies führt zu einer
Selbstwertstärkung, so daß im Laufe des therapeutischen Prozesses die
Vorstellung, ein passives Opfer zu sein zu der eine aktiv handelnde
Überlebende zu sein wechselt. Es entwickelt sich wieder mehr
Selbstvertrauen in die eigene Person und die eigenen Fähigkeiten.
3. Integrationsphase
In der 3. Therapiephase, die eher einer 'normalen' Psychotherapie ähnelt, geht
es um die weitere Verarbeitung im Sinne von Integration des Geschehenen.
Häufig muß Trauerarbeit geleistet werden, das Selbsterleben und
Lebensgefühl hat sich verändert, so daß neue Bewältigungsstrategien
entwickelt werden müssen. Wichtig ist, daß die PatientInnen sich wieder
stark und im Besitz ihrer Kräfte fühlen, so daß sie angemessene
Entscheidungen für ihr weiteres Leben fällen können.
Auch in dieser Phase kann sozialarbeiterische Unterstützung oder die
Durchführung von Paar- oder Familiengesprächen notwendig sein.

Dies sind die Folien eines Vortrags, der bei der
Feuerwehr in Hürth gehalten wurde: Vortrag
Psychotraumatologie

Informationen für die
Angehörigen von Kindern und Jugendlichen
Auch Kinder und
Jugendliche, die das Seebeben erlebt haben, können nach dieser extrem
belastenden Erfahrung an Ängsten, Hilflosigkeit, Verlust der Orientierung und
Erschrecken leiden.
Je jünger Kinder
sind, je mehr sind sie grundsätzlich auf die hilfreiche Unterstützung von
wohlwollenden Erwachsenen angewiesen. Sie brauchen das Gefühl, sich auf die
Mutter, den Vater, die Großeltern, Freunde etc. verlassen zu können. Die
Flutwelle und die Folgen, die Kinder in Fernost erlebt haben, haben leider
manchmal auch dazu geführt, dass eine der wichtigen Vertrauenspersonen
verstorben ist oder vermisst wird, schlimmstenfalls haben Kinder und Jugendliche
beide Eltern verloren. Damit werden die Gefühle, die durch die unbeschreiblich
große Belastung entstanden sind, zusätzlich durch den Verlust der Menschen
verstärkt, die ihnen Sicherheit geben könnten. Auf diese Gefühle reagieren
Kinder je nach Alter unterschiedlich. Wie bei den Erwachsenen ist das veränderte
Verhalten eine normale Reaktion auf eine schwer zu bewältigende
Erfahrung. Bei älteren Kindern und Jugendlichen gleichen sich die
Verhaltensweisen denen der Erwachsenen immer mehr an.
Folgende veränderte
Erlebnis- und Verhaltensweisen (Beschwerden) können bei Kindern und Jugendlichen
auftreten:
 | Das Kind spielt
immer wieder die gleiche Situation ohne das sich etwas verändert (z.B. könnte
dies so aussehen: Häuser umstoßen und Autos umgekippt durch die Haustrümmer
schieben und dabei Schreien oder sonstige Laute von sich geben) |
 | Das Kind
reagiert ohne erkennbaren äußeren Anlass, zerstört z.B. Gegenstände, beginnt
plötzlich heftig zu weinen oder zu schreien, klammert sich plötzlich ganz fest
oder versucht wegzulaufen |
 | Das Kind / der
Jugendliche schreit nachts im Schlaf, manchmal ohne davon zu erwachen |
 | Das Kind / der
Jugendliche schaut mit durchdringendem Blick ins Leere, reagiert nicht auf
Ansprechen |
 | Das Erlebte
läuft wie ein Film immer wieder „vor dem inneren Auge“ ab |
 | Teile des
Erlebten tauchen immer wieder als Bilder „vor dem inneren Auge“ auf |
 | Kinder wollen
nicht mehr richtig spielen, auch nicht das Lieblingsspiel |
 | Kinder /
Jugendliche zeigen ein verändertes Essverhalten (gar nichts mehr oder ganz
viel) |
 | Kinder /
Jugendliche werden still und ziehen sich zurück von ihren Spielkameraden und
den Eltern |
 | Kinder /
Jugendliche wirken wie betäubt, scheinbar teilnahmslos und gleichgültig ihrer
Umwelt gegenüber |
 | Kinder /
Jugendliche zeigen bisher unbekannte heftige aggressive Reaktionen |
 | Kinder /
Jugendliche vermeiden alles, was an das schlimme Erlebnis erinnern könnte
(auch darüber zu reden) |
 | Kinder
nässen/koten wieder ein, obwohl sie schon länger sauber waren |
 | Kinder sprechen
wieder, wie sie als jüngere Kinder gesprochen haben |
 | Kinder /
Jugendliche klammern, wollen sich aus der sicheren häuslichen Atmosphäre nicht
entfernen und in den Kindergarten oder die Schule gehen, haben Angst, sich zu
trennen |
 | Kinder /
Jugendliche haben häufiger Bauch- oder Kopfschmerzen |
 | Kinder können
abends nicht einschlafen oder wachen nachts immer wieder auf |
 | Kinder /
Jugendliche zeigen wieder /erstmals Dunkelangst |
 | Kinder /
Jugendliche zeigen eine motorische Unruhe oder sind wie erstarrt |
 | Kinder /
Jugendliche können sich schlecht konzentrieren, zeigen auf Dauer schlechtere
schulische Leistungen |
 | Kinder erinnern
sich zwar an Details des Geschehens, können sich aber Alltagsdinge nicht mehr
merken |
 | Kinder /
Jugendliche erschrecken sich bei Geräuschen oder Situationen, die sie früher
nicht erschreckt haben |
 | Jugendliche
beginnen, Alkohol zu trinken oder andere Drogen zu nehmen |
Je nach Ausmaß der
Betroffenheit können Anzahl und Ausprägung der Beschwerden unterschiedlich sein.
Auch Kinder und Jugendliche verfügen über Selbstheilungskräfte, können sich
allmählich erholen. Um diese Selbstheilungs- und Verarbeitungsprozesse zu
fördern, sollte Folgendes beachtet werden:
 | Kinder sind Teil
der Familie. Ist ein Kind / Jugendlicher betroffen, ist immer die
gesamte Familie mit betroffen! |
 | Nehmen Sie sich
als Familie eine Auszeit, unterstützen sie Kinder / Jugendlichen, indem Sie
sich mit Dingen beschäftigen, die Ihnen vor dem Ereignis gut getan haben |
 | Sorgen Sie als
Eltern auch gut für sich, suchen Sie fachkundige Unterstützung für ihre
Familie, wenn Sie spüren, dass die Last zu groß wird. |
 | Überfordern Sie
sich nicht mit dem Anspruch, keinen Fehler machen zu dürfen und alles
verstehen zu müssen. |
 | Erlauben Sie
Ihren Kindern Ihre Betroffenheit und Ihre Gefühle zu sehen |
 | Versuchen Sie
den Tagesablauf so zu gestalten, wie er dem Kind vertraut ist, d.h. nach
Möglichkeit feste Essens- und Schlafenszeiten |
 | Informieren Sie
den Kindergarten / die Schule darüber, das Ihr Kind diese extrem belastende
Erfahrung gemacht hat |
 | Fragen Sie Ihr
Kind / Jugendlichen nicht aus nach dem Erlebnis, sondern bieten Sie sich
vielmehr als Zuhörer an, wenn das Kind / der Jugendliche von sich aus das
Thema anspricht |
 | Unterstützen Sie
Ihre Kinder, wenn andere Menschen das veränderte Verhalten ihres Kindes nicht
respektieren. |
Sollte sich das
Verhalten zuspitzen, bzw. auch nach 4 Wochen unverändert bestehen bleiben oder
verstärkt auftreten, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe bei einem
erfahrenen Berater oder Therapeuten aufzusuchen.

LINKS:
http://www.emdrgeraete.de oder
http://www.emdrgeraete.at

Es folgt eine Liste der aktuellen Ergänzungen. Änderung des Datenbestandes
der Website werden hier durch eine Notiz bekannt gegeben. Die Einträge enthalten
Hyperlinks zu den jeweiligen Beiträgen und sind in zeitlicher Reihenfolge
angeordnet. Die aktuellste Meldung wird jeweils an erster Stelle angezeigt.
31.12.2001
 | Veröffentlichung der überarbeiteten Website |
01.08.2002
 | Kleinere Ergänzungen |
01.01.und 01.12.2005
 | Ergänzungen und Korrekturen (z.B. Info zum Seebeben) |

|